Sicht eines erwachsenen Trennungskindes
Ein Podcast Gast, der aus eigener Erfahrung spricht.
Wenn jemand weiß, wie es sich anfühlt, als Kind Elterntrennung zu erleben, dann ist es Björn Behr. Der Influencer, Autor und Familienpapa – bekannt durch papaundpapi – ist gleich doppeltes Trennungskind. Seinen biologischen Vater kennt er bis heute nicht. Den Mann, den er als seinen Vater erlebt hat, verlor er mit zwölf Jahren durch eine Scheidung. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – spricht er über seine Geschichte ohne Bitterkeit, ohne Drama, mit einer Klarheit, die einem den Atem verschlägt. In unserer Podcastfolge war Björn von papaundpapi zu Gast. Und was er uns mitgegeben hat, geht weit über das hinaus, was ich von einem Gespräch erwartet hatte.
Trennung ohne Drama – und was das mit einem macht
Björn sagt, dass er seine Trennungen als Kind nicht als Drama empfunden hat. Kein großes Gefühlschaos, keine tiefen Narben, die er nach außen getragen hätte. Was er beschreibt, klingt fast ruhig. Und trotzdem: Da war etwas. Etwas, das er erst Jahrzehnte später in Worte fassen konnte. Als sein Sohn adoptiert wurde, wurde er emotional auf eine Weise, die ihn selbst überraschte. Und in diesem Moment wurde ihm klar: Er hatte sich doch danach gesehnt. Nach Wurzeln. Nach Verlässlichkeit. Nach jemandem, auf den man sich wirklich verlassen kann.
So still diese Sehnsucht gewesen sein mag – sie war da. Und das ist eine Erkenntnis, die ich jedem Elternteil mitgeben möchte, der glaubt, sein Kind nähme das alles schon irgendwie nicht so mit: Kinder nehmen es mit. Nicht immer laut. Nicht immer sofort. Aber sie nehmen es mit.
Was Verlässlichkeit für ein Kind bedeutet
Einen besonders starken Moment im Gespräch hatte ich, als Björn über den dritten Mann seiner Mutter gesprochen hat – den Menschen, den er sich als Erwachsener als Adoptivvater gewählt hat. Was hat dieser Mann richtig gemacht? Er hat ihm das Gefühl gegeben, ihm wichtig zu sein. Nicht durch große Gesten, sondern durch Beständigkeit. Durch Verlässlichkeit. Durch das Gefühl: Du kannst dich auf mich einlassen. Das klingt so einfach. Und doch ist es genau das, was Kinder in der Trennungszeit am dringendsten brauchen. Jemanden, der bleibt. Der da ist. Der verlässlich ist.
Björn sagt: "Bleibt bloß nicht wegen der Kinder zusammen."
Es gibt einen Satz aus dieser Folge, der mich noch lange begleiten wird und er mir damit gleichzeitig aus der Seele spricht. Björn sagt ihn klar, direkt, ohne Umschweife: Wenn eine Paarbeziehung wirklich nicht mehr funktioniert und man alles versucht hat, dann ist das Zusammenbleiben wegen der Kinder das Schlimmste, was man tun kann.
Nicht weil Trennung einfach ist. Sondern weil Kinder dieses unterschwellige Klima spüren. Die Spannung, die niemand ausspricht. Die Kälte zwischen zwei Menschen, die versuchen, miteinander auszukommen. Das braucht keine lauten Streitereien. Es reicht die Stimmung, die im Raum liegt. Und Kinder atmen diese Stimmung täglich ein.
Eine klare, bewusst gestaltete Trennung – in der beide Elternteile das Kind begleiten, jeder in seiner Zeit, jeder mit Präsenz – ist nach Björns Erfahrung wertvoller als ein Zusammenleben, in dem nichts mehr wirklich stimmt.
Muster, die uns als Erwachsene begleiten
Björn ist jemand, dem man nachsagt, kühl zu wirken. Er selbst lacht darüber, denn er weiß, woher das kommt. In einem Haushalt aufgewachsen, in dem Lösungsorientierung über Emotionen stand, in dem wenig Raum für Gefühle war, hat er gelernt, vieles mit sich selbst auszumachen. Sein Mann Christian hat das verändert. Nicht durch Druck, sondern durch Beharrlichkeit und Liebe. Er hat Björn immer wieder eingeladen, zu sprechen. Über das, was innen ist. Über das, was sich schwer anfühlt. Und Björn hat gelernt, dieser Einladung zu folgen, auch wenn es ihm bis heute manchmal schwerfällt.
Was er daraus als Vater mitgenommen hat: Er spricht mit seinem Sohn über Gefühle. Täglich. Am Abendessenstisch fragt er, was das Schönste des Tages war – und was das Herausforderndste. Das klingt klein. Aber es ist ein Fundament. Und es ist eines, das er selbst nicht hatte.
Was Kinder von uns brauchen? Nicht Perfektion, sondern Reflexion.
Gegen Ende unseres Gesprächs sagt Björn etwas, das mich besonders berührt hat. Wenn es eskaliert – und er gibt zu, dass es auch bei ihnen manchmal eskaliert – dann sitzt er abends auf dem Sofa und denkt: Ich weiß, was ich hätte anders machen können. Und dieses Innehalten, dieses Reflektieren, ist für ihn entscheidender als die Perfektion im Moment selbst. Kinder brauchen keine fehlerfreien Eltern. Sie brauchen Eltern, die hinschauen. Die spüren. Die sich am nächsten Tag wieder neu ausrichten können. Und die ihren Kindern zutrauen, auch schwierige Dinge zu tragen – begleitet, nicht allein gelassen, aber zugetraut.
"Wir dürfen unseren Kindern solche Trennungen auch zutrauen", sagt Björn. Weil die jetzige Elterngeneration ihre Kinder anders begleitet als früher. Weil wir hinschauen. Weil wir fragen. Weil Menschen euren Podcast hören.
Mehr über Björn und seine Familie findest du auf Instagram unter papaundpapi und den Podcast mit ihm hörst du hier.
Du erkennst dich in diesem Artikel wieder?
Vielleicht fragst du dich, wie du dein Kind durch deine eigene Trennungsgeschichte gut begleiten kannst – oder du merkst, dass alte Muster aus deiner Kindheit dich gerade einholen. Wenn du mehr Klarheit darüber möchtest, wie du als Trennungselternteil handlungsfähig bleibst und dein Kind dabei wirklich im Blick hältst, dann vereinbare jetzt dein Kennenlerngespräch mit mir als Trennungsexpertin.