Trennung mit Kindern: Das Ego muss raus.
Trennung mit Kindern: Warum eure Haltung jetzt wichtiger ist als euer verletztes Ego
Eine Trennung tut weh. Da ist Wut. Enttäuschung. Trauer. Vielleicht das Gefühl, ausgetauscht worden zu sein. Vielleicht Angst davor, das eigene Kind zu verlieren oder plötzlich nur noch die Hälfte seines Lebens mitzubekommen. Und mittendrin steht die Frage: Wie schaffe ich es, mit all diesen Gefühlen umzugehen, ohne dass unser Kind sie tragen muss? Genau darüber haben wir in unserem Podcast Starke Trennungskinder mit Chris gesprochen. Chris ist getrennt lebender Papa, seit über zwei Jahren Bonuspapa und spricht auf Instagram sehr klar darüber, was es seiner Meinung nach nach einer Trennung braucht: Verantwortung, Respekt und die Bereitschaft, das eigene Ego nicht über das Wohl der Kinder zu stellen. Seine Haltung: Wer die Mutter seiner Kinder achtet, tut auch seinen Kindern etwas Gutes. Und genau deshalb lohnt sich der Blick auf seine Geschichte.
Wenn aus der Familie plötzlich eine Trennungsfamilie wird
Chris beschreibt einen Moment nach seiner Trennung, der ihn als Vater tief getroffen hat. Seine Tochter verabschiedete sich vom neuen Partner ihrer Mutter mit den Worten Tschüss Papi. Für ihn ein Stich ins Herz. Plötzlich war da nicht nur die Trennung von seiner Partnerin, sondern auch die Angst: Was passiert jetzt mit meiner Rolle als Papa? Verliere ich etwas von der Bindung zu meinem Kind? Genau diese Angst kennen viele getrennte Eltern. Denn eine Trennung beendet nicht nur eine Paarbeziehung. Sie verändert das ganze Familiengefüge. Gewohnheiten verschwinden, Zeit mit den Kindern verändert sich, ein Elternteil zieht aus und plötzlich gibt es Dinge, die wir nicht mehr kontrollieren können. Chris hatte direkt nach der Trennung deshalb eine große Bitte an die Mutter seiner Tochter: Bitte keinen Rosenkrieg und bitte nimm mir meine Tochter nicht weg. Das heißt nicht, dass danach alles friedlich war. Auch zwischen den beiden gab es Wut, Verletzungen und Konflikte. Aber es gab früh eine Entscheidung: Unsere Paarbeziehung ist vorbei. Unsere Elternschaft nicht.
Das erste Jahr nach der Trennung stellt die Weichen
Ich sage in meinen Begleitungen immer wieder: Das erste Jahr nach einer Trennung ist eines der vulnerabelsten. In dieser Zeit werden Entscheidungen getroffen, die das weitere Familienleben maßgeblich beeinflussen können. Entscheidungen aus Angst, aus Wut und aus Verletzung heraus oder Entscheidungen, bei denen wir trotz unserer Gefühle versuchen, Verantwortung zu übernehmen. Und nein, das bedeutet nicht, dass ihr nach einer Trennung friedlich über eine Blumenwiese hüpfen müsst. Eine Trennung kann richtig scheiße sein. Aber gerade deshalb braucht es die Bereitschaft, nicht jede Emotion sofort in eine Handlung zu verwandeln. Chris erzählt sehr offen, dass auch er wütend war. Dass auch er sich gefragt hat, was die Mutter seiner Tochter wohl macht, während er das gemeinsame Kind betreut. Ist sie wirklich arbeiten? Hat sie Spaß? Warum habe ich jetzt unser Kind, während sie ihr Leben lebt? Bis irgendwann die Erkenntnis kam: Was sie in dieser Zeit macht, ist für meine Beziehung zu meiner Tochter völlig egal. Jetzt ist meine Zeit mit meinem Kind. Genau darin steckt ein entscheidender Perspektivwechsel. Weg vom Ex-Partner. Hin zum eigenen Kind.
Ihr könnt den anderen Elternteil nicht kontrollieren
Nach einer Trennung verlieren wir zwangsläufig Kontrolle. Wir wissen nicht mehr, was im anderen Zuhause passiert. Wir bestimmen nicht, wie der andere Elternteil seine kinderfreie Zeit verbringt. Wir können nicht kontrollieren, welche Menschen irgendwann in sein Leben kommen. Und wir können schon gar nicht kontrollieren, was andere über uns denken. Genau an dieser Stelle verschwenden getrennte Eltern unglaublich viel Energie. Was macht der andere? Mit wem ist er zusammen? Warum hat sie dafür Zeit? Warum macht er es so und nicht anders? Die viel wichtigere Frage lautet: Was mache ich mit meiner Zeit und mit meiner Verantwortung? Chris beschreibt es sehr einfach: Das Leben passiert. Es fragt nicht vorher um Erlaubnis. Du kannst dich jeden Tag darüber aufregen, dass es draußen regnet. Aufhören zu regnen wird es deshalb trotzdem nicht. Genau das bedeutet Akzeptanz. Nicht gutheißen. Nicht schönreden. Nicht alles mit sich machen lassen. Sondern anzuerkennen, was gerade ist, und von dort aus zu schauen: Was kann ich beeinflussen?
Verantwortung übernehmen heißt nicht, die Schuld auf sich zu nehmen
Einer der stärksten Punkte unseres Gesprächs war für mich Chris’ Blick auf seine eigene Verantwortung. Er sagt rückblickend: Ich war an der Situation nicht unbeteiligt. Das ist etwas völlig anderes als zu sagen: Ich bin schuld an allem, was passiert ist. Eine Beziehung entsteht zwischen zwei Menschen und auch ihre Dynamik entsteht zwischen zwei Menschen. Verantwortung zu übernehmen bedeutet deshalb, sich selbst ehrlich anzuschauen. Wo war mein Anteil? Was möchte ich zukünftig anders machen? Was davon gehört zu mir und was nicht? Chris hat der Mutter seiner Tochter irgendwann gesagt: Ich verstehe, dass du wütend bist. Ich bin es auch. Aber ich weiß, dass du eine gute Mama bist und das Beste für unsere Tochter möchtest. Und ich möchte das auch. Alles andere werden wir irgendwie hinbekommen. Das ist eine Haltung, die nicht verlangt, dass Verletzungen verschwinden. Sie verlangt aber, Paarverletzung und Elternschaft voneinander zu unterscheiden.
Die Mutter eures Kindes bleibt die Mutter eures Kindes
Chris sagt einen Satz, der hängen bleibt: Ohne die Mutter meiner Tochter gäbe es meine Tochter nicht. Seine Dankbarkeit dafür sei auch mit der Trennung nicht verschwunden. Und genau hier wird es interessant. Ihr müsst nach einer Trennung nicht dankbar für alles sein, was der andere Mensch getan hat. Ihr müsst Verletzungen nicht kleinreden. Aber der andere Mensch bleibt Teil eures Kindes. Die Mutter bleibt die Mutter. Der Vater bleibt der Vater. Das ändert keine Trennung. Wenn ihr den anderen Elternteil permanent abwertet, bekämpft oder aus der Familie herausdrängen wollt, betrifft das deshalb niemals nur diesen Erwachsenen. Es betrifft auch euer Kind. Genau deshalb arbeite ich so gerne mit der Haltung: Ich bin okay, du bist okay. Ich bin die richtige Mama für unser Kind und du bist der richtige Papa für unser Kind. Das bedeutet nicht, dass jedes Verhalten okay ist. Es bedeutet, die Elternrolle des anderen nicht mit der eigenen Verletzung auf der Paarebene zu verwechseln.
Wenn das Ego nach der Trennung besonders laut wird
Chris beschreibt sehr offen, dass es Situationen gab, in denen er Dinge zunächst als unangenehm für sich als Papa empfunden hat. Im Gespräch wurde daraus irgendwann die ehrlichere Antwort: unangenehm für mich als Mann. Und genau diese Unterscheidung ist spannend. Nach einer Trennung werden wir an Stellen getroffen, an denen es nicht ausschließlich um unsere Elternrolle geht. Wir fühlen uns zurückgewiesen, ersetzt, entwertet oder nicht gesehen. Freunde sagen vielleicht: Lass dir das nicht gefallen. Zeig jetzt mal Stärke. Verlier nicht dein Gesicht. Und plötzlich führen wir einen Kampf, von dem wir behaupten, er sei für unser Kind, obwohl unser verletztes Ego längst mit am Steuer sitzt. Sich das einzugestehen, ist nicht angenehm. Aber es kann verdammt viel verändern. Denn Stärke nach einer Trennung zeigt sich nicht darin, möglichst hart gegen den anderen Elternteil vorzugehen. Stärke kann auch bedeuten, einen Konflikt nicht weiter anzuheizen, obwohl du es könntest.
Gefühle müssen trotzdem irgendwo hin
Das alles bedeutet nicht, Wut, Trauer und Angst wegzudrücken. Im Gegenteil. Chris beschreibt, dass er seine Emotionen zugelassen hat. Er hat viel Sport gemacht, war dabei bewusst mit seinen Gedanken allein und hatte Menschen, mit denen er sprechen konnte. Denn eure Gefühle brauchen einen Platz. Sie dürfen nur nicht dauerhaft bei euren Kindern landen. Ihr dürft wütend sein. Ihr dürft traurig sein. Ihr dürft euren Ex-Partner gerade richtig scheiße finden. Aber dafür braucht ihr Erwachsene. Freunde, Familie, therapeutische Unterstützung oder eine professionelle Begleitung. Euer Kind ist nicht der richtige Ort für euren Trennungsschmerz.
Und was ist, wenn nur ein Elternteil respektvoll sein möchte?
Natürlich funktioniert nicht jede Trennung so wie bei Chris. Und das ist mir wichtig. Es gibt Eltern, die wirklich alles versucht haben. Gespräche, Beratungsstellen, Mediation, immer wieder Entgegenkommen. Und der zweite Elternteil blockiert trotzdem, überschreitet Grenzen oder verweigert notwendige Absprachen. Dann bedeutet Verantwortung nicht, sich noch kleiner zu machen. Es bedeutet auch nicht, alles zu akzeptieren, nur damit bloß kein Konflikt entsteht. Manchmal braucht es eine klare Grenze. Manchmal braucht es eine anwaltliche Beratung und manchmal einen gerichtlichen Beschluss. Auch das kann Verantwortung für euer Kind sein. Entscheidend ist die Frage, aus welcher Haltung heraus ihr diesen Schritt geht. Geht es darum, den anderen zu bestrafen oder geht es darum, einen verlässlichen und sicheren Rahmen für euer Kind zu schaffen? Frieden um jeden Preis ist nicht das Ziel. Klarheit kann genauso wichtig sein.
Die Trennung kann auch ein Schatz sein
Ich sage gerne: Eine Trennung beherbergt ziemlich viel Scheiße. Aber wenn du bereit bist, darin ein bisschen herumzuwühlen, kannst du auch deine Golden Nuggets finden. Denn eine Trennung bringt oft genau die Themen an die Oberfläche, die vorher schon da waren. Bindungsmuster, Verlustängste, Harmoniebedürfnis, Schwierigkeiten mit Grenzen, das eigene Selbstwertgefühl oder die Frage, wie viel Verantwortung wir für andere Menschen übernehmen. Das macht eine Trennung nicht plötzlich schön. Aber sie kann zu einem Wendepunkt werden. Chris beschreibt rückblickend, dass er gelernt hat, dass das Leben nicht kontrollierbar ist und dass Liebe unglaublich viel bewegen kann. Gerade die Liebe zu seinem Kind hat ihm geholfen, Entscheidungen zu treffen, die sich im Moment vielleicht nicht immer stark angefühlt haben, langfristig aber etwas aufgebaut haben. Heute können er und die Mutter seiner Tochter offen miteinander sprechen. Über ihre Bedürfnisse, seine Bedürfnisse und vor allem über die Bedürfnisse ihrer Tochter. Und beide können heute sagen: Darauf dürfen wir stolz sein.
Was soll euer Kind später über eure Trennung erzählen?
Am Ende unseres Gesprächs haben wir Chris gefragt, was seine Tochter aus dieser Geschichte über Liebe, Trennung und Familie mitnehmen soll. Seine Antwort war im Kern ganz einfach: Sie soll wissen, dass sie wertvoll ist. Dass sie von Mama und Papa geliebt wurde und wird. Und dass da zwei Eltern sind, die eher sagen: Wir bekommen das gemeinsam hin, als die Verantwortung gegenseitig hin und her zu schieben. Vielleicht ist genau das die Frage, die wir uns nach einer Trennung viel häufiger stellen sollten: Was soll unser Kind in zehn oder zwanzig Jahren über diese Zeit erzählen? Nicht: Haben Mama und Papa alles perfekt gemacht? Sondern: Habe ich mich sicher gefühlt? Durfte ich beide lieben? Haben meine Eltern Verantwortung übernommen? Wusste ich, dass sie da sind? Ihr könnt nicht beeinflussen, was der andere Elternteil daraus macht. Aber ihr könnt entscheiden, welchen Teil dieser Geschichte ihr schreibt. Damit euer Kind später einmal sagen kann: Ich hatte eine schöne Kindheit trotz der Trennung meiner Eltern.
Ihr möchtet nach der Trennung Team Kind bleiben?
Vielleicht steht ihr noch ganz am Anfang eurer Trennung und merkt gerade, wie schwer es ist, Paarverletzungen, Ängste und eure Verantwortung als Eltern voneinander zu trennen. Vielleicht möchtest du auch wissen, was du konkret tun kannst, wenn der zweite Elternteil nicht so mitzieht, wie du es dir für eure Kinder wünschen würdest. Genau da können wir gemeinsam hinschauen. In einem unverbindlichen Kennenlerngespräch schauen wir auf eure aktuelle Situation, darauf, was euch gerade festhält und was eure Kinder jetzt von euch brauchen. Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst, buch dir hier dein Kennenlerngespräch mit mir. Gemeinsam schauen wir, ob und wie ich dich oder euch auf diesem Weg begleiten kann.