Phase 4: Akzeptanz und Neubeginn
Und langsam geht es wieder bergauf. Irgendwann kommt dieser Moment nach einer Trennung, der sich anders anfühlt als alles davor. Nicht euphorisch, nicht leicht, aber klarer. Du sitzt innerlich wieder am Steuer. Der Blick geht nach vorn. Du merkst: Ich stehe noch mitten im Prozess, aber ich fahre nicht mehr nur im ersten Gang mit angezogener Handbremse. Ich komme voran. Diese Phase nennt sich Akzeptanz und Neubeginn – die vierte Trennungsphase – und sie ist für viele Eltern der eigentliche Wendepunkt.
Akzeptanz bedeutet hier nicht, dass du gut findest, was passiert ist. Sie bedeutet auch nicht, dass alles vergeben oder verarbeitet ist. Akzeptanz heißt, dass du aufgehört hast, innerlich gegen die Realität zu kämpfen. Du verschwendest deine Energie nicht mehr darauf, dass etwas anders hätte laufen müssen. Du diskutierst nicht mehr mit der Vergangenheit. Du stehst auf dem Berg, schaust nach unten und weißt: Der härteste Teil liegt hinter mir. Ich bin noch nicht oben, aber ich gehe wieder aus eigener Kraft.
Viele Menschen spüren in dieser Phase zum ersten Mal seit Langem wieder Boden unter den Füßen. Entscheidungen fühlen sich nicht mehr wie ein Risiko an, sondern wie ein nächster Schritt. Der Alltag sortiert sich. Du beginnst, Pläne zu machen – nicht, weil du musst, sondern weil du willst. Die Gedanken kreisen weniger um Schuld, Versäumnisse oder das Verhalten des anderen Elternteils. Stattdessen tauchen Fragen auf wie: Wie will ich eigentlich leben? Was brauche ich jetzt wirklich? Was tut mir gut – und was nicht mehr?
Es gibt keinen festen Zeitpunkt, an dem diese Phase beginnt. Manche kommen schneller hier an, andere später. Es hängt davon ab, wie die Trennung verlaufen ist, wie viel inneren Vorlauf es gab, ob du verlassen wurdest oder selbst gegangen bist, wie kooperationsfähig der andere Elternteil ist und wie ehrlich du bereit bist, deine eigenen Muster anzuschauen. Wichtig ist: Du bist nicht zu spät. Und du machst nichts falsch, wenn du diesen Punkt erst jetzt erreichst.
In dieser Phase wird oft auch klarer, welche Form von Elternschaft nach der Trennung wirklich möglich ist. Co-Elternschaft funktioniert nur dann, wenn Kommunikation tragfähig ist, Absprachen eingehalten werden und mindestens eine Grundhaltung da ist von: Ich bin okay, du bist okay. Wenn das nicht gegeben ist, wenn Konflikte dominieren, Machtkämpfe laufen oder der Kontakt dauerhaft belastend ist, kann parallele Elternschaft der gesündere Weg sein. Das ist kein Scheitern. Es ist eine Entscheidung für Stabilität – für dich und für euer Kind. Akzeptanz heißt hier, sich nicht länger an einer Vorstellung festzuhalten, die mehr Kraft kostet, als sie bringt.
Neuorientierung zeigt sich nicht nur im Kopf, sondern ganz konkret im Alltag. Viele Eltern beginnen in dieser Phase, ihre Wohnung neu zu gestalten. Kisten verschwinden. Räume bekommen neue Farben. Es entsteht Ordnung. Kinder werden mit einbezogen. Sie dürfen mitentscheiden, mitgestalten, mitwachsen. Das gibt ihnen Halt und stärkt ihre Selbstwirksamkeit. Und es gibt dir das Gefühl: Ich baue hier gerade etwas Neues auf.
Ein hilfreiches Bild für diese Phase ist der Trennungsgarten. Früher gab es einen gemeinsamen Garten. Jetzt gibt es zwei. Und in deinem Garten siehst du plötzlich Pflanzen, die du aus Gewohnheit mitgenommen hast. Alte Muster. Erwartungen. Rollen, die früher Sinn gemacht haben, heute aber nicht mehr passen. Akzeptanz heißt, ehrlich hinzuschauen und zu entscheiden: Was darf bleiben und was nicht? Alte Pflanzen werden nicht dem anderen Elternteil in den Garten gestellt. Sie werden entsorgt. Damit Platz entsteht. Für neue Grenzen. Neue Rituale. Neue Formen von Nähe. Ein neues Selbstbild.
In dieser Phase verändert sich auch dein Fokus. Du schaust weniger auf das Leben des anderen Elternteils und mehr auf dein eigenes. Du vergleichst dich weniger. Du regulierst dich schneller. Und genau das spüren Kinder. Eltern, die innerlich bei sich sind, geben Sicherheit – nicht durch perfekte Lösungen, sondern durch innere Stabilität.
Akzeptanz ist kein Endpunkt. Sie ist der Anfang von etwas Neuem. Du musst jetzt noch nicht wissen, wie alles weitergeht. Es reicht, den nächsten stimmigen Schritt zu gehen. Und dann den nächsten. Bergauf. In deinem Tempo. Mit dem Wissen: Ich bin nicht mehr im freien Fall. Ich gestalte wieder.
Für dich. Für euer Kind. Und für die Möglichkeit, dass dein Kind später sagen kann: Ich hatte eine schöne Kindheit – trotz der Trennung meiner Eltern.
Wenn du dich in dieser Phase des Akzeptierens und Neuorientierens wiedererkennst und tiefer verstehen möchtest, was jetzt innerlich passiert, dann hör dir genau diese Folge in meinem Podcast: Starke Trennungskinder an.
Dort sprechen wir ausführlich darüber, warum diese Phase der Aufschwung ist, wie du deinen Fokus neu ausrichtest und was dir jetzt hilft, stabil weiterzugehen – für dich und für euer Kind.
🎧 Klicke dich direkt in die Podcastfolge „Akzeptanz & Neubeginn“, den Link findest du hier unten.