Das richtige Umgangsmodell
Viele Eltern stehen schon sehr früh im Trennungsprozess vor der Frage nach dem passenden Umgangsmodell. Oft sogar früher, als ihnen lieb ist. Noch bevor klare Worte für das, was gerade passiert, gefunden sind. Noch bevor die Trennung innerlich sortiert ist. Und manchmal sogar noch bevor das Gespräch mit dem Kind wirklich geführt wurde.
Genau diese Zeit ist besonders sensibel. Eltern sind emotional angeschlagen, verunsichert, unter Druck. Gleichzeitig müssen Entscheidungen getroffen werden, die große Auswirkungen auf den Alltag und auf das Erleben ihres Kindes haben. Wo wird unser Kind leben. Wie oft sieht es den anderen Elternteil. Was sagen wir. Was legen wir jetzt fest.
Das passende Umgangsmodell zu finden ist in dieser Phase nicht einfach. Und es ist auch nicht etwas, das man nebenbei entscheidet oder einfach von anderen übernimmt. Denn jede Familie bringt ihre eigene Geschichte mit. Unterschiedliche Kinder, unterschiedliche Bindungen, unterschiedliche Lebensrealitäten. Was für andere funktioniert, kann für euch genau das Falsche sein.
Kinder brauchen in dieser Zeit vor allem Sicherheit und Orientierung. Sie müssen spüren, dass ihre Eltern Verantwortung übernehmen – auch dann, wenn noch vieles unklar ist. Kinder müssen wissen, was kommt und was bleibt. Nicht bis ins letzte Detail, aber in einem Rahmen, der Halt gibt. Wenn Eltern selbst noch völlig unsortiert sind und Entscheidungen aus Angst, Schuld oder Druck heraus treffen, überträgt sich diese Unsicherheit schnell auf das Kind.
Deshalb ist es so wichtig, den Blick auf das Umgangsmodell nicht erst dann zu richten, wenn sich alles beruhigt hat. Sondern genau dann, wenn die Trennung beginnt. Präventiv. Mit Bedacht. Und mit der Bereitschaft, wirklich hinzuschauen.
Es gibt nicht das eine richtige Umgangsmodell. Weder das Wechselmodell als vermeintlichen Goldstandard, noch das Residenzmodell als einfache Lösung. Auch Nestmodelle sind nicht per se gut oder schlecht. Entscheidend ist immer die konkrete Situation eurer Familie. Das Alter eures Kindes. Die Bindungsgeschichte. Der bisherige Alltag. Die Belastbarkeit der Eltern. Die emotionale Dynamik zwischen euch. Und auch die Frage, wie viel Veränderung euer Kind gerade tragen kann.
Gerade am Anfang der Trennung ist Kontinuität oft wichtiger als Gerechtigkeit oder Ideale. Für viele Kinder bedeutet das, dass nicht alles auf einmal umgestellt wird. Dass Übergänge überschaubar bleiben. Dass Bezugspersonen verlässlich sind. Eine hilfreiche Orientierung kann dabei die Faustregel sein, dass das Alter des Kindes die maximale Wechselfrequenz bestimmt. Jüngere Kinder brauchen oft kürzere Abstände oder einen festen Hauptlebensort, während ältere Kinder mit längeren Wechseln besser umgehen können. Nicht als starre Regel, sondern als Einladung, genauer hinzuschauen.
Ein Umgangsmodell ist kein Vertrag für die Ewigkeit. Es ist eine Entscheidung für jetzt. Für diese Phase. Für diesen Entwicklungsstand eures Kindes. Es darf überprüft, angepasst und weiterentwickelt werden.
Hilfreich ist es, sich vor einer Entscheidung bewusst Fragen zu stellen. Nicht, um sofort perfekte Antworten zu haben, sondern um Klarheit über Motive, Möglichkeiten und Grenzen zu gewinnen.
Diese Fragen können euch dabei unterstützen:
✅ Welches Umgangsmodell wünsche ich mir für unser gemeinsames Kind – und warum halte ich genau dieses Modell für das beste für unser Kind?
✅ Was ist der positivste Effekt dieses Modells für unser Kind – und was könnte der negativste Effekt sein?
✅ Wo spüre ich, dass es nicht um unser Kind geht, sondern um meine Angst, meinen Schmerz oder meinen Verlust?
✅ Welches Umgangsmodell ist in unserem Alltag überhaupt realistisch zu tragen – mit Blick auf Arbeit, Energie, Ressourcen und Zeit für unser Kind?
✅ Welche Form von Kontakt zum anderen Elternteil kann ich emotional halten, ohne in alte Muster abzurutschen?
✅ Wie würde sich das Leben unseres Kindes verändern, wenn wir dieses Modell drei Monate lang leben?
✅ Was würde unser Kind, wenn es Worte dafür hätte, vermutlich sagen, was ihm gerade am wichtigsten ist?
✅ Welche Konflikte zwischen uns Eltern würden durch dieses Modell kleiner – und welche könnten größer werden?
✅ Welche Übergänge zwischen den Haushalten möchte ich unserem Kind zumuten – und wie kann ich diese Übergänge sanft gestalten?
Diese Fragen sind keine Checkliste, die man schnell abhakt. Sie sind eine Einladung zur ehrlichen Selbstreflexion. Sie helfen dabei, zwischen eigenen Ängsten und den tatsächlichen Bedürfnissen des Kindes zu unterscheiden. Und sie machen sichtbar, wo Unterstützung sinnvoll ist.
Viele Eltern merken an dieser Stelle, dass sie diese Fragen nicht alleine beantworten können. Weil zu viel Unsicherheit da ist. Zu viele Emotionen. Zu wenig Abstand. Genau dafür gibt es meine professionelle Begleitung.
Im Rahmen meines Trennungsheldenpakets unterstütze ich Eltern genau in dieser frühen, sensiblen Phase der Trennung. Gemeinsam schauen wir hin, sortieren, klären und entwickeln ein Umgangsmodell, das zu eurer Familie passt. Nicht theoretisch, sondern alltagstauglich. Nicht aus Druck heraus, sondern mit Ruhe, Struktur und einem klaren Blick auf euer Kind.
Denn das passende Umgangsmodell ist kein Konzept. Es ist ein Schutzraum. Für euer Kind. Und für euch als Eltern.