Einschulung und Geburtstage nach Trennung

Feiern nach Trennung: Gemeinsam oder getrennt?

Die Einschulung steht vor der Tür. Oder der erste Geburtstag eures Kindes nach der Trennung. Eigentlich ein Tag, auf den sich euer Kind riesig freut. Und während es vielleicht schon über die Schultüte, den Geburtstagskuchen oder seine Geschenke nachdenkt, kreisen bei euch ganz andere Gedanken: Feiern wir gemeinsam? Muss ich den anderen Elternteil einladen? Was mache ich, wenn ich ihn gerade kaum ertragen kann? Und was, wenn unser Kind unbedingt möchte, dass wir beide dabei sind? Gerade die ersten besonderen Tage nach einer Trennung können verdammt emotional sein. Denn es geht nicht nur um die Feier. Es geht auch um das Familienbild, das ihr einmal hattet und von dem ihr euch gerade verabschieden müsst. Vielleicht hattest du eine ganz klare Vorstellung davon, wie die Einschulung eures Kindes aussehen würde. Wer danebensteht. Wer mit auf dem Foto ist. Wie ihr anschließend gemeinsam feiert. Und jetzt ist alles anders. Genau deshalb ist der wichtigste Gedanke vielleicht zunächst dieser: Es gibt nicht die eine richtige Lösung. Ihr müsst nicht gemeinsam feiern, damit euer Kind einen schönen Tag haben kann. Und ihr müsst auch nicht getrennt feiern, nur weil ihr kein Paar mehr seid. Entscheidend ist, was ihr als Eltern gerade wirklich tragen könnt.

Euer Kind braucht keine perfekte Feier

Besonders nach einer frischen Trennung entsteht schnell der Anspruch, wenigstens für die Kinder alles so zu machen wie vorher. Also wird gemeinsam gefeiert, obwohl einer am liebsten überall wäre, nur nicht dort. Ihr lächelt fürs Foto, sitzt gemeinsam am Tisch und versucht, irgendwie durch diesen Tag zu kommen. Nur spüren Kinder sehr genau, wenn zwischen ihren Eltern Spannung herrscht. Deshalb ist eine gemeinsame Feier nicht automatisch die kindgerechtere Lösung. Stellt euch lieber die Frage: Können wir unserem Kind an diesem Tag wirklich respektvoll begegnen und den Fokus auf unser Kind legen? Wenn ihr das könnt, kann eine gemeinsame Feier wunderschön sein. Ihr müsst dafür keine Freunde sein und auch nicht so tun, als wäre nichts passiert. Ihr dürft getrennte Eltern sein, die für ein paar Stunden gemeinsam einen besonderen Moment ihres Kindes begleiten. Wenn ihr das aktuell noch nicht könnt, dann ist auch das eine Antwort. Dann können zwei getrennte Feiern die deutlich ehrlichere und entspanntere Lösung sein.

Gemeinsam feiern oder lieber getrennt?

Gerade am Anfang einer Trennung kann es hilfreich sein, dieses kleine Wort mitzunehmen: noch nicht. Vielleicht könnt ihr den ersten Geburtstag noch nicht gemeinsam feiern. Vielleicht ist die Einschulung zu nah an der Trennung und einer von euch merkt: Ich schaffe das gerade nicht. Das bedeutet nicht, dass es für immer so bleiben muss. In einem Jahr kann eure Situation völlig anders aussehen. Und genau deshalb müsst ihr aus einer heutigen Entscheidung keine Grundsatzentscheidung für die nächsten zehn Jahre machen. Wenn der andere Elternteil sagt: Ich kann nicht kommen, dann respektiere diese Grenze. Auch wenn du sie nicht verstehst. Auch wenn du dir etwas anderes für euer Kind gewünscht hättest. Und auch wenn du selbst problemlos gemeinsam feiern könntest. Eine Grenze braucht nicht deine Zustimmung, um eine Grenze zu sein. Gleichzeitig lohnt sich gerade bei einmaligen Ereignissen wie einer Einschulung ein ehrlicher Blick auf dich selbst. Wie möchtest du in fünf oder zehn Jahren auf diesen Tag zurückschauen? Würdest du es bereuen, nicht dabei gewesen zu sein? Könntest du vielleicht eine Stunde schaffen, auch wenn ein ganzer Nachmittag zu viel wäre? Zwischen gemeinsam den gesamten Tag verbringen und überhaupt nicht erscheinen liegen verdammt viele Möglichkeiten.

Wenn euer Kind euch beide dabeihaben möchte

Natürlich kann euer Kind sagen: Ich möchte aber, dass Mama und Papa dabei sind. Dieser Wunsch darf gehört werden. Aber euer Kind entscheidet nicht darüber, was ihr emotional tragen könnt. Ihr könnt sagen: Ich verstehe, dass du dir wünschst, dass wir beide dabei sind. Gerade schaffen wir das noch nicht. Das hat nichts mit dir zu tun. Wir werden beide mit dir feiern, weil du uns beiden wichtig bist. Damit nehmt ihr den Wunsch eures Kindes ernst, ohne ihm die Verantwortung für eure Entscheidung zu geben. Gerade ältere Kinder dürfen durchaus mitsprechen. Ihr könnt sie fragen, was ihnen für ihren Geburtstag oder ihre Feier wichtig ist. Aber die Leitplanken setzt weiterhin ihr als Eltern. Ein Kind sollte niemals in die Position geraten, entscheiden zu müssen, ob Mama oder Papa kommt.

Es ist kein Wettbewerb

Ein Thema, das mir in meinen Begleitungen immer wieder begegnet, ist der Konkurrenzkampf nach der Trennung. Wer schenkt das größere Geschenk? Wer plant den spektakuläreren Ausflug? Wer fährt in den größeren Freizeitpark? Dahinter können Schuldgefühle stecken, der Wunsch, etwas wiedergutzumachen oder auch die Hoffnung, beim eigenen Kind ein bisschen besser dazustehen als der andere Elternteil. Nur: Darum geht es nicht. Ihr seid Team Kind und nicht gegnerische Mannschaften. Liebe muss nicht durch Geschenke kompensiert werden. Sprecht euch nach Möglichkeit darüber ab, was euer Kind bekommt. Gerade bei kleineren Kindern verhindert ihr damit auch, dass plötzlich zweimal dasselbe Lego-Set auf dem Geburtstagstisch liegt. Und wenn der andere Elternteil trotzdem den Konkurrenzkampf eröffnet, musst du nicht einsteigen. Du kannst bei dir bleiben. Denn woran wird sich euer Kind später wahrscheinlich stärker erinnern? An den Preis seines Geschenks oder an das Gefühl dieses Tages?

Akzeptieren, wenn der andere nicht möchte

Vielleicht möchtest du gemeinsam feiern und dein Ex-Partner sagt schlicht: Nein, ich komme nicht. Und dann passiert etwas, das viele Menschen wahnsinnig schwer aushalten: Du bekommst keine Erklärung. Du würdest gerne wissen, warum. Ist er noch verletzt? Ist sie wütend? Ist es zu früh? Was steckt dahinter? Aber vielleicht kommt nur: Ich möchte nicht. Dann ist genau das die Realität, mit der du arbeiten musst. Du kannst nicht erzwingen, dass dein Gegenüber dir eine Erklärung liefert, mit der du besser umgehen kannst. Du kannst aber entscheiden, was du daraus machst. Statt immer wieder gegen die Situation anzukämpfen, kann der Satz helfen: Ich habe es mir anders vorgestellt. Und jetzt ist die Situation, wie sie ist. Das bedeutet nicht, dass du sie gut finden musst. Es bedeutet, dass du aufhörst, deine gesamte Energie darauf zu verwenden, gegen etwas anzukämpfen, das du gerade nicht verändern kannst. Und dann kannst du wieder fragen: Wie kann ich aus dem, was jetzt möglich ist, einen schönen Tag für unser Kind machen?

Neue Partner gehören nicht automatisch dazu

Besonders sensibel wird es, wenn bereits ein neuer Partner oder eine neue Partnerin im Leben eines Elternteils ist. Eine Einschulung, ein Geburtstag oder eine andere wichtige Familienfeier sollte nicht die Plattform dafür sein, einen neuen Menschen in die Familie einzuführen. Schon gar nicht ohne Absprache. Gerade wenn die Trennung frisch ist und der neue Partner möglicherweise sogar im Zusammenhang mit der Trennung steht, kann seine Anwesenheit eine ohnehin emotionale Situation zusätzlich aufladen. Deshalb gehört diese Frage für mich zuerst auf die Erwachsenenebene. Nicht: Ich habe unser fünfjähriges Kind gefragt und das findet es super. Sondern: Können wir Erwachsenen diese Konstellation gerade tragen? Wenn der andere Elternteil sagt, dass sich das noch nicht gut anfühlt, sollte das ernst genommen werden. Das ist etwas völlig anderes, wenn ein neuer Partner seit Jahren zum Leben des Kindes gehört. Deshalb braucht es auch hier keine pauschale Regel, sondern einen ehrlichen Blick auf eure konkrete Situation. Und vor allem sollte ein besonderer Tag eures Kindes niemals dafür benutzt werden, dem Ex-Partner etwas zu beweisen oder eine neue Beziehung demonstrativ zu präsentieren.

Einschulung nach der Trennung ist besonders emotional

Eine Einschulung ist noch einmal etwas anderes als ein Geburtstag. Geburtstage kommen jedes Jahr wieder. Die Einschulung erlebt euer Kind genau einmal. Gleichzeitig ist sie ohnehin ein großer Übergang. Das Kindergartenkind wird zum Schulkind. Für Kinder bedeutet das Aufregung, Stolz und vielleicht Unsicherheit. Und auch für Eltern kann dieser Tag emotional sein, ganz unabhängig von einer Trennung. Deshalb finde ich gerade hier die Frage wichtig: Was braucht euer Kind an diesem Tag wirklich? Nicht: Wie beweisen wir, dass wir trotz Trennung alles perfekt hinbekommen? Und auch nicht: Wer hat an diesem Tag eigentlich das Recht, dabei zu sein? Sondern: Wie schaffen wir einen Rahmen, in dem unser Kind diesen großen Schritt genießen kann? Vielleicht bedeutet das, gemeinsam bei der Einschulung zu sein und anschließend getrennt zu feiern. Vielleicht seid ihr gemeinsam beim offiziellen Teil und einer geht danach. Vielleicht verbringt ihr den gesamten Tag miteinander. Es gibt viel mehr als Schwarz oder Weiß.

Es darf anders sein als früher

Vielleicht ist das überhaupt die größte Aufgabe bei den ersten Familienfeiern nach der Trennung: loszulassen, wie es eigentlich hätte sein sollen. Du hattest dir den Geburtstag anders vorgestellt. Die Einschulung. Die Kommunion. Die Familienfeier. Vielleicht sogar das gesamte Familienleben. Aber wenn du permanent versuchst, die alte Form auf eure neue Familie zu übertragen, erzeugt das häufig noch mehr Druck. Eure Familie existiert weiterhin. Sie sieht nur anders aus. Und deshalb dürfen auch eure Rituale anders werden. Vielleicht entstehen sogar neue Traditionen, die ihr heute noch gar nicht sehen könnt. Ihr müsst nicht sofort eine perfekte neue Trennungskultur beherrschen. Gerade am Anfang dürfen Dinge holpern. Ihr dürft ausprobieren, korrigieren und im nächsten Jahr eine andere Entscheidung treffen. Entscheidend ist nicht, dass die Feier perfekt aussieht. Entscheidend ist, was euer Kind an diesem Tag fühlt: Ich bin wichtig. Ich werde geliebt. Ich darf Mama und Papa lieben. Und ich bin nicht verantwortlich dafür, wie meine Eltern miteinander umgehen. Das ist das größte Geschenk, das ihr eurem Kind an seinem Geburtstag, seiner Einschulung und an jedem anderen besonderen Tag machen könnt. Damit euer Kind später sagen kann: Ich hatte eine schöne Kindheit trotz der Trennung meiner Eltern.

Du möchtest solche Situationen sicherer gestalten?

Vielleicht steht bei euch gerade die erste Einschulung, der erste Geburtstag oder eine andere Familienfeier nach der Trennung bevor und du merkst, wie viel Unsicherheit darin steckt. Gemeinsam feiern oder getrennt? Wie gehst du mit den Wünschen eures Kindes um? Und wie setzt du Grenzen, ohne euer Kind zwischen euch geraten zu lassen? Genau solche Fragen können wir gemeinsam sortieren. Buche dir dafür gerne ein unverbindliches Kennenlerngespräch mit mir. Wir schauen auf eure konkrete Situation und darauf, welche Begleitung für dich oder euch sinnvoll sein kann.


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Kinder: Trauer nach Trennung begleiten