Das Trennungsgespräch mit den Kindern

Das Trennungsgespräch mit den eigenen Kindern gehört zu den Momenten, die sich Eltern nicht ausgesucht haben. Und doch prägt kaum ein Gespräch den weiteren Weg so sehr wie dieses. Viele Eltern spüren das. Deshalb liegt dieses Gespräch oft wie ein Knoten im Bauch. Man weiß, dass es ansteht, und gleichzeitig wünscht man sich, es noch ein bisschen hinausschieben zu können. Vielleicht, bis man selbst klarer ist. Vielleicht, bis die Trennung sich weniger schwer anfühlt. Vielleicht, bis man die richtigen Worte gefunden hat.

Was viele Eltern unterschätzen: Kinder spüren längst, dass sich etwas verändert hat. Die Atmosphäre ist anders, Blicke weichen sich aus, Nähe fühlt sich nicht mehr selbstverständlich an. Gerade kleine Kinder können das nicht einordnen. Sie merken nur, dass etwas nicht stimmt und füllen diese Lücke oft mit eigenen Fantasien. Genau deshalb ist Schweigen kein Schutz. Klarheit ist es.

Dieses Gespräch beginnt nicht bei den Kindern. Es beginnt bei euch. Kinder orientieren sich nicht an perfekten Sätzen, sondern an eurer inneren Haltung. An dem Gefühl, das ihr ausstrahlt. Sicherheit, Orientierung, Struktur, Klarheit und Verbindung entstehen nicht durch Worte allein, sondern durch die Art, wie ihr da seid. Wenn ihr innerlich völlig wackelt, spüren Kinder das sofort. Wenn ihr Halt geben könnt, entsteht auch für sie Halt – selbst mitten in der Trennung.

Im Trennungsgespräch geht es nicht darum, Gründe zu erklären oder Entscheidungen zu rechtfertigen. Kinder brauchen keine Details über Konflikte. Sie brauchen Antworten auf andere Fragen. Bleibt Mama meine Mama. Bleibt Papa mein Papa. Wer ist für mich da. Wie sieht mein Alltag aus. Muss ich mich entscheiden. Was bleibt gleich. Genau das gibt Sicherheit.

Gerade bei kleinen Kindern zwischen drei und vier Jahren darf dieses Gespräch spielerisch und bildhaft sein. Kinder in diesem Alter denken nicht abstrakt. Sie verstehen über Bilder, Geschichten und ihre Lebenswelt. Ein Gespräch mit Kuscheltieren kann mehr bewirken als jedes ernste Erwachsenenwort. Manche Eltern nutzen ein Lieblingstier, andere erzählen die Geschichte von zwei Tieren, die sich trennen, aber beide weiterhin für ihr Junges da sind – zum Beispiel ein Landtier und ein Meerestier, die in unterschiedlichen Welten leben und trotzdem verbunden bleiben. Wenn ihr euch auf diese Ebene begebt, fühlen sich Kinder gesehen und verstanden.

Auch Bücher können dabei unterstützen. Ich empfehle Eltern mit jüngeren Kindern beispielsweise gerne das Buch: Die Krokobären. Geschichten wie diese helfen Kindern, Trennung nicht als Bedrohung zu erleben, sondern als Veränderung, die erklärbar ist. Wichtig ist nicht, dass ihr alles richtig macht. Wichtig ist, dass ihr die Sprache eures Kindes sprecht.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die gemeinsame Verantwortung. Auch wenn die Trennung faktisch von einem Elternteil ausgegangen ist, gilt im Gespräch mit den Kindern: Wir haben es beschlossen. Nicht, weil die Wahrheit verdreht werden soll, sondern weil Kinder nicht dafür gemacht sind, Loyalitäten auszuhalten. Sie sind immer beides. Mama und Papa. Wenn Kinder das Gefühl bekommen, sich innerlich entscheiden zu müssen, geraten sie in einen Loyalitätskonflikt, der sie überfordert. Dieses Gespräch soll entlasten, nicht spalten.

Viele Eltern berichten nach dem Trennungsgespräch von einer überraschenden Erleichterung. Nicht, weil es leicht war. Sondern weil etwas ausgesprochen wurde, das längst im Raum stand. Die graue Wolke darf abregnen. Das Gespräch ist kein Anfang der Trennung, sondern ein Übergang. Ein Meilenstein. Danach kann sich etwas sortieren – bei den Kindern und bei den Eltern.

Dieses Gespräch muss nicht perfekt sein. Aber es sollte bewusst geführt werden. Mit Vorbereitung. Mit innerer Klarheit. Und manchmal mit Unterstützung. Genau deshalb ist das Trennungsgespräch mit den Kindern ein fester Bestandteil meines Trennungsheldenpakets. In dieser frühen Phase begleite ich Eltern dabei, sich innerlich zu sortieren, die richtigen Bilder und Worte für ihr Kind zu finden und Sicherheit auszustrahlen, auch wenn es innerlich noch weh tut. Nicht mit einem starren Skript, sondern mit einem Rahmen, der Erleichterung bringt.

Wenn ihr gerade an diesem Punkt steht und merkt, wie viel Unsicherheit da ist, dann kommt in meine Begleitung. Gemeinsam bereiten wir das Trennungsgespräch so vor, dass ihr sicher und emotional stabil mit eurem Kind über diese wichtige Entscheidung sprechen könnt. Den Link zur Begleitung findet ihr hier unten.


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