Wenn Kinder den Kontakt abbrechen.

Wenn der Kontakt zum eigenen Kind plötzlich abbricht, fühlt es sich an, als würde der Boden unter den Füßen wegbrechen. Keine Nachrichten mehr. Keine Treffen. Keine Nähe. Nur Stille und diese eine quälende Frage: Was habe ich falsch gemacht?

Viele Eltern erleben genau das nach einer Trennung. Und viele bleiben mit ihrer Ohnmacht, ihrer Angst und dem verzweifelten Wunsch zurück, die Beziehung zum eigenen Kind nicht zu verlieren. Sie suchen nach Lösungen, nach Wegen, nach Antworten und stoßen doch immer wieder an dieselbe Grenze.

In diesem Artikel erzähle ich die Geschichte von Svenja. Einer Mutter, deren Tochter nach der Trennung den Kontakt abgebrochen hatte. Und ich zeige, warum es in unserer Zusammenarbeit nicht darum ging, das Kind zurückzuholen – sondern warum echte Veränderung erst möglich wurde, als der Blick weg vom Kind und hin zu ihr selbst ging.

Vom Kontaktabbruch zur neuen Verbindung – warum es nicht um ihre Tochter ging.

Als Svenja zu mir kam, war da dieser eine Satz, den viele Eltern in ähnlichen Situationen denken, aber kaum aussprechen: Ich schaffe das nicht mehr allein.
Nach der Trennung hatte ihre Tochter den Kontakt zu ihr abgebrochen. Keine Gespräche mehr, keine Treffen, keine Nähe. Nur noch eine gemeinsame WhatsApp-Familiengruppe – und selbst dort wurde es immer stiller. Für eine Mutter ist das kaum auszuhalten. Diese Mischung aus Ohnmacht, Angst, Schuld und der verzweifelten Frage, was man noch tun kann, um das eigene Kind nicht zu verlieren.

Svenja hatte vieles richtig gemacht. Die Trennung war einvernehmlich, sie hatte eine Infrastruktur geschaffen, damit ihre Tochter sich in beiden Haushalten hätte bewegen können. Und doch reichte all das nicht aus. Die Beziehung brach ab. In ihrem Erleben hatte sie alles getan – und stand trotzdem vor dem Nichts.

Was Svenja damals noch nicht wusste: In unserer gemeinsamen Arbeit würde es kaum um ihre Tochter gehen. Und genau das war der Wendepunkt.

Viele Eltern kommen mit der Hoffnung, einen Weg zu finden, ihr Kind wieder zurückzuholen. Wieder in Kontakt zu kommen, wieder Nähe herzustellen. Verständlich. Und gleichzeitig liegt darin oft der größte Druck. Denn, wenn Kinder – vor allem ältere Kinder oder Jugendliche – den Kontakt abbrechen, geht es selten um einzelne Situationen. Es geht um Dynamiken. Um Erwartungen. Um innere Spannungen, die über Jahre gewachsen sind.

In den ersten Sitzungen wurde schnell klar, wie sehr Svenja gewohnt war, Verantwortung zu übernehmen, zu funktionieren, Lösungen zu finden. Kontrolle gab ihr Sicherheit. Loslassen hingegen war ihr fremd. Und genau hier setzten wir an. Nicht, um etwas „richtig“ zu machen. Sondern um zu verstehen, woher diese Muster kommen und wie sie heute wirken.

Wir haben uns ihre Herkunftsfamilie angeschaut, ihre inneren Antreiber, ihre Rolle im Familiensystem. Wir haben mit Aufstellungsarbeit gearbeitet, mit dem Blick auf die Gegenwartsfamilie und auf alte Prägungen, die unbewusst mit in die Beziehung zur Tochter hineinwirkten. Schritt für Schritt wurde sichtbar, wie viel Druck – trotz aller Liebe – in der Beziehung lag. Und wie sehr dieser Druck auch mit der Angst zu tun hatte, den Kontakt endgültig zu verlieren.

Ein entscheidender Moment in diesem Prozess war das Zulassen von Kontaktstille. Nicht als Strafe. Nicht als Rückzug. Sondern als bewusste Entscheidung, Raum zu geben. Geduld zu entwickeln. Keine Timeline zu haben. Keine Erwartung, wann etwas „wieder gut“ sein müsste. Für Svenja war das einer der schwersten Schritte. Und gleichzeitig der heilsamste.

Denn in dem Moment, in dem sie begann, den Fokus wieder auf sich zu richten, veränderte sich etwas Grundlegendes. Sie stellte sich nicht mehr vor ihre Tochter, um zu lenken, zu erklären oder zu sichern. Sie stellte sich innerlich hinter sie. Mit der Haltung: Ich bin da. Ich halte den Raum. Du darfst dein Leben leben.

Als ihre Tochter sich nach einiger Zeit wieder meldete, war das kein großer, dramatischer Moment. Es war leise. Unaufgeregt. Ein erstes Treffen, ein vorsichtiger Austausch, eine neue Art von Kontakt. Svenja beschreibt bis heute, wie aufgeregt sie bei diesen Begegnungen war – und wie gut es sich gleichzeitig anfühlte, nicht alles im Griff haben zu müssen. Keine vorbereiteten Gespräche, keine Erwartungen, kein inneres Drehbuch.

Was folgte, war kein Zurück zur alten Beziehung, sondern der Aufbau einer neuen. Mit mehr Achtsamkeit, mehr Respekt für die Grenzen der Tochter und mit dem klaren Wunsch, dass Kontakt keine Pflicht sein darf. Sondern etwas, das Freude macht. Leichtigkeit hat. Raum lässt.

Ein besonders bewegender Moment war der Abiball der Tochter. Ein Ereignis, bei dem lange unklar war, ob Svenja dabei sein würde. Und dann stand sie dort. Gemeinsam mit dem Ex-Partner. Nicht als perfekte Familie. Sondern als Eltern, die präsent waren. Für ihre Tochter. Für diesen Moment. Für ihre gemeinsame Geschichte.

Heute beschreibt Svenja die Beziehung zu ihrer Tochter als entspannter. Nicht perfekt. Nicht abgeschlossen. Sondern lebendig. In Bewegung. Mit dem Wissen, dass Loslassen kein Verlust ist, sondern oft die Voraussetzung für echte Verbindung.

Diese Geschichte ist kein Versprechen. Sie ist keine Garantie. Und sie ist ganz sicher kein schneller Weg. Aber sie zeigt etwas sehr Wesentliches: Wenn sich in der Beziehung zu unseren Kindern etwas verändern soll, beginnt dieser Weg fast immer bei uns selbst.

Nicht, weil wir schuld sind. Sondern weil wir Verantwortung tragen. Für unsere Haltung. Für unsere Muster. Für den Raum, den wir anbieten.

Und manchmal ist genau das der Anfang von etwas Neuem.

Wenn du dich in Svenjas Geschichte wiedererkennst und gerade selbst erlebst, wie der Kontakt zu eurem Kind brüchig wird oder vielleicht schon abgebrochen ist, dann musst du da nicht allein durch.

In meinem Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam auf eure Situation. Nicht, um schnelle Lösungen zu versprechen, sondern um herauszufinden, was es jetzt wirklich braucht – für dich und für euer Kind. Du bekommst Klarheit, Orientierung und einen ehrlichen Blick darauf, ob und wie eine Begleitung für dich sinnvoll ist.

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Das Trennungsgespräch mit den Kindern